Der Heißhunger auf gegrillte Sardinen fuhr mit

Jeden der 2600 Kilometer vom portugiesischen Leiria bis nach Rheine hat Carlos Vieira auf dem Fahrrad zurückgelegt. Nach 15 Tagen traf der Extremradler am Samstag in der Emsstadt ein und berichtete hier von traumhaften Landschaften und gefährlichen Straßen.

2600 Kilometer. Den ganzen Weg von Leiria nach Rheine hat Carlos Vieira auf dem Fahrrad zurückgelegt. In 15 Tagen. Er hat sich in den Pyrenäen die Berge hochgekämpft. Das war schwer. Noch anstrengender waren aber die Etappen, in denen er gegen den Wind fahren musste. Doch der 65-Jährige ist ein Kämpfer. Er hat nicht klein beigegeben. Am Samstag erreicht er wie geplant um Punkt 15 Uhr das Portugiesische Freizeitzentrum an der Stovener Straße – mit leichten Beinen und einem stetigen Lachen im Gesicht.
Dort erwartet ihn eine echte Überraschung – gegrillte Sardinen. „Davon haben ich unterwegs geträumt. Ich habe immer gesagt, gegrillte Sardinen sind das erste, was ich mir nach meiner Rückkehr zu Hause in Leiria gönnen werde. Und jetzt bekomme ich die hier. Großartig.“ Ein Stück Heimat mitten in Deutschland.

Spontaner Applaus

Der Empfang für den kleinen, drahtigen Mann im gelben Radlerdress kann sich sehen lassen. Spontaner Applaus kommt auf, als er im Hof des Freizeitzentrums die letzten Meter der Tour von Rheines portugiesischer Partnerstadt Leiria in die Emsstadt ausrollen lässt. Zwei stellvertretende Bürgermeister heißen ihn offiziell willkommen, Udo Bonk aus Rheine und sein Kollege Ricardo Santos aus Leiria. Beide sind beeindruckt von der Leistung des 65-Jährigen. „Respekt. Ganz schön sportlich. Davor kann man nur den Hut ziehen“, sagt Santos.

Bonk erinnert in seiner Ansprache daran, dass die Portugiesen in Rheine an diesem Wochenende gleich drei Mal Grund zum Feiern haben: Erstens, weil ihr radelnder Landsmann den 2600-Kilometer-Ritt auf dem Rad so bravourös gemeistert hat. Zweitens, weil Portugiesen in aller Welt am 10. Juni den Todestag des Poeten Luís Vaz de Camões (1524-1580) als Nationalfeiertag begehen und drittens, weil der Verein „Associação Portuguessa de Rheine“ (AP Rheine) mit Sitz im Portugiesischen Freizeitzentrum auf das 50-jährige Bestehen zurückblickt. Und Bonk persönlich freut sich, dass „aus der einstigen Städtepartnerschaft mit Leiria längst eine Städtefreundschaft geworden“ sei.

Jeden Kilometer von Leiria nach Rheine hat Vieira auf dem Rad zurückgelegt. Großartig seien die Touren in Spanien gewesen. Frankreich sei landschaftlich indes nicht zu toppen. „Das Land ist Gold fürs Auge“, schwärmt Vieira. Als Radler habe er sich vor allem auf den Straßen und Radwegen in den Niederlanden sicher gefühlt. Auch in Spanien und Deutschland könne man relativ sicher fahren. Ganz andere Erfahrungen hat er dagegen immer wieder in Belgien machen müssen. „Die Lkw-Fahrer nehmen keine Rücksicht auf Radfahrer. Die fahren so dicht auf. Mehrmals bin ich vom Rad gesprungen, weil ich mich in Gefahr fühlte“, berichtet der Extremradler. Als Ausdauerradler kann Vieira übrigens auf drei Guinness-Buch-Rekorde verweisen.

Die letzte Etappe nach Rheine hat Vieira in Begleitung eines radelnden Empfangs-Komitees zurückgelegt. Engelbert Nagelschmidt, Hardy Krebs, Hannes Berghaus und Helmut Holtkamp haben Vieira in Burgsteinfurt abgeholt. Gemeinsam ging es dann über die Radbahn Rheine-Coesfeld in die Emsstadt. „Es ist alles so schon grün hier, eine tolle Landschaft“, genoss Vieira die letzten Kilometer seiner Tour.

Zweite Long-Distance-Tour

Eine einzige Panne gab es unterwegs. Einen „Platten“. Das war schnell erledigt. Bei irreparablen Schäden an seinem Rennrad hätte er noch ein Ersatzrad im Begleitfahrzeug gehabt. Das Auto hat übrigens seine Frau gefahren, nachdem der zunächst gesetzte Fahrer kurzfristig für die Tour absagen musste. Beide gönnen sich jetzt noch zwei Tage in Rheine und wollen dann eine Nichte in den Niederlanden besuchen.

Leiria-Rheine war übrigens Vieiras zweite Long-Distance-Tour in diesem Jahr. Wenige Woche zuvor hat er den Papst in Rom besucht und ist dann von dort nach Fatima in Portugal gefahren.

Jetzt ist erst einmal eine Radelpause geplant. „Kein Wunder, wahrscheinlich schmerzt allmählich der Popo“, scherzt am Samstag ein Witzbold. „Nein, nein“, lacht Vieira, „da habe ich inzwischen dicke Polster. Da schmerzt nichts mehr. Aber die Beine brauchen jetzt etwas Erholung.“

[mv-online.de, Autor: Matthias Schrief]

  • Carlos Vieira Juni 11, 2017 at 16:15

    Muito obrigado a toda a Comunidade Portugueda de Rheine, à Câmara de Rheine, à Portu Rheine, à Câmara Municipal de Leiria e a todos os Portugueses espalhados pelo Mundo. Um forte abraço.

    • Diana Juni 11, 2017 at 18:54

      Obrigado pela visita 😉
      Bjinhos

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