Die Wurzeln am Douro, die Heimat an der Ems

Als Kind portugiesischer Einwanderer ist José Azevedo vor 46 Jahren nach Rheine gekommen. Sein Vater war 1965 einer der allerersten „Gastarbeiter“ in Rheine.

Im Garten mäht ein Roboter den Rasen und das Radio in der Küche schaltet auf Kommando ab: Dass José Azevedo technikfeindlich ist, kann man wirklich nicht sagen. Wahrscheinlich ist auch sein Kühlschrank schon vernetzt und bestellt selbstständig Nachschub, wenn das Bier mal alle ist. Bei einem Software-Entwickler muss man mit so etwas rechnen…

Als Kind portugiesischer Einwanderer ist José Azevedo vor 46 Jahren nach Rheine gekommen. Sein Vater war 1965 einer der allerersten „Gastarbeiter“ in Rheine.

Arbeitskräfte aus Porto waren begehrt

„Wir sind aus der Gegend von Porto. Die meisten Portugiesen hier in Rheine kommen von da, weil es dort auch viel Textilindustrie gab“, erzählt José Azevedo. „Die Arbeitskräfte aus Porto waren begehrt. Die musste man nicht ganz neu anlernen.“

Anfangs hatte die Familie zwar geplant, irgendwann einmal nach Portugal zurückzukehren, wurde dann aber schnell in Rheine heimisch.
Der kleine José lernte Deutsch, ging auf die Südeschschule. „Der Rektor hieß damals Keggenhoff. Er mochte mich, weil ich Professor zu ihm sagte. Er hat mir damals einen Füller geschenkt“, erinnert sich José Azevedo.

Der kleine Portugiese mit den blonden Haaren

Schon als Kind machte sich der kleine José als Übersetzer nützlich. Mit seinen blonden Haaren sah er gar nicht wie ein Portugiese aus. „Einmal hat mich ein Amtsleiter gefragt, wo ich denn so gut Portugiesisch gelernt hätte“, lacht er.

Das 4. Schuljahr überspringt der aufgeweckte Junge, geht dann auf die Martin-Luther-Schule (heute Euregio-Gesamtschule), einige Jahre auch auf ein katholisches Gymnasium bei Bentheim, wo auch Portugiesisch unterrichtet wird. José soll seine Muttersprache nicht ganz vergessen. Dann Kopernikus-Gymnasium, anschließend Ausbildung bei der Deutschen Bundespost, heute Telekom. Dort arbeitet José Azevedo bis heute.

Was ihm an Rheine gefällt? Dass Rheine nicht zu groß sei, übersichtlich eben. „Aber was man braucht, kriegt man hier.“ Die Menschen mag er auch. „Fast jeden Tag lerne ich neue kennen“, freut er sich.

Gründungsmitglied des Portugiesischen Freizeitzentrums

Seit 32 Jahren ist José Azevedo mit seiner deutschen Frau Petra verheiratet. „Wir haben uns kennengelernt, als ich 14 und sie zehn Jahre alt war“, erzählt er. Gemeinsam hat das Paar drei Kinder, die schon erwachsen sind. In seiner Freizeit spielt José Azevedo gern Fußball bei den Sportfreunden Gellendorfund ist für die CDU Rheine im Stadtrat. Weshalb wir die Geschichte von José Azevedo hier erzählen? Sein Vater, Nuno Azevedo, gehörte zu den Gründungsmitgliedern des Portugiesischen Freizeitzentrums, das am Samstag sein 50-jähriges Bestehen feiert.

Sein Sohn José Azevedo ist im Vorstand und wird in seiner Festansprache am Samstag auch über die Anfänge des Vereins sprechen.

Autor: Klaus Dierkes

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