Harun Can und Portu – das passt!

Nach zwei Jahren in der C-Liga zieht es den Club zurück ins Rampenlicht

Seit Jahrzehnten bereichert Portu Rheine die Fußballszene der Emsstadt und pendelte meistens zwischen den Kreisligen A und B. Markenkern des im Jahr 1967 gegründeten Vereins mit Sitz im Stadtteil Schleupe waren seine sympathische Außendarstellung, die sich in vielfältigen Bemühungen in Sachen Integration sowie sportlichem Ehrgeiz paarte. Am Ende der desaströsen Spielzeit 2016/17 stieg die Mannschaft mit nur vier Punkten aus 26 Spielen (13:118 Tore) in die Bedeutungslosigkeit der Kreisliga C ab. In der Folgesaison versuchte sich Trainer Rainer Tenelsen am Projekt „sofortiger Wiederaufstieg“, das am Ende als Tabellenvierter knapp verpasst wurde.

Am Sonntag kommt es zum Gipfeltreffen

Seit dem Sommer 2018 ist mit Harun Can einer neuer Coach mit dem Ziel in Amt und Würden, der 1. Mannschaft alte Klasse zu verleihen. Bislang mit Erfolg: In der ersten Staffel der Kreisliga C rangiert Portu hinter dem SC Altenrheine 4 auf Rang zwei, hat jedoch ein Spiel weniger. Am Sonntag nun kommt es zum Gipfeltreffen der beiden Ligagrößen, die sich ab 12.30 Uhr im Altenrheiner Sportpark gegenüberstehen.

„Wir freuen uns riesig. Dieses Spiel haben sich die Jungs verdient“, fiebert Can dem Gipfeltreffen entgegen. Der 34-Jährige kennt Portu wie seine Westentasche, spielte er doch bis 2014 viele Jahre für den damaligen A-Ligisten. Anschließend zog es ihn über einen Abstecher zu Türk Rheine zum SV Emsdetten 05, dessen 2. Mannschaft er als Kapitän im Frühjahr 2017 zum Aufstieg führte. Im Duett mit Chefcoach Francesco Catanzaro schaffte er im Folgejahr auf Rang zehn den Klassenerhalt und sollte in dieser Saison – so der ursprüngliche Plan – eigentlich für den zur „Ersten“ abwandernden Catanzaro als Spielertrainer übernehmen.

„Das kam alles sehr kurzfristig, am Ende hat es nicht gepasst“, lehnten er und der als Co-Trainer eingeplante Yunus Karadan schließlich ab. Stattdessen zog es beide nach vier Jahren zurück zu Portu Rheine. Fußballobmann Manuel da Silva hatte sich ebenfalls um Harun Can als Nachfolger für Rainer Tenelsen bemüht – so kam der Deal zustande.

„Man soll aufhören, wenn es am schönsten ist“, verliert der Spielertrainer kein böses Wort über die Trennung von 05 und rühmt vielmehr die Vorzüge der alten Liebe: „Das hört sich vielleicht doof an, aber Portu ist für mich eine Herzensangelegenheit. Hier habe ich noch ganz viele Freunde. Ich wollte dem Verein gerne sportlich helfen.“

 

 

Dafür nehme er in Kauf, statt in der Kreisliga A in der tiefsten Punktspielklasse anzutreten. Wobei: Auch in der C-Liga bekommt man seiner Meinung nach nichts geschenkt. „Natürlich ist es von der Qualität her ein deutlicher Unterschied. Aber letzten Endes braucht es die gleichen Tugenden, um Spiele zu gewinnen. Auch gegen 2. und 3. Mannschaften musst du alles geben, sonst gehst du leer aus.“ So geschehen bei den Punktverlusten gegen die „Zweiten“ von Germania Hauenhorst und TuS St. Arnold, als man sich jeweils unentschieden trennte.

Dennoch hielt sich der Aufstiegskandidat bis Ende Oktober an der Tabellenspitze, ehe der SCA 4 vorbeizog. Grund dafür war der Spielausfall der Partie Portu gegen den Skiclub Nordwest 2 – für Can nicht ganz nachvollziehbar: „Überall im Kreis Steinfurt wurde gespielt, nur der Rasen im Emslandstadion soll unbespielbar gewesen sein.“ Dort tragen die Portu-Kicker in dieser Saison ihre Heimspiele aus, da der Platz an der Schleupe saniert wird. Gegen Ende der Hinrunde ist das städtische Jahnstadion vorübergehend ihre fußballerische Heimat, wobei der dortige Kunstrasen den technisch beschlagenen Kickern liegt.

Vom SC Altenrheine 4 die Tabellenführung zurückholen

Am Sonntag geht es aber auswärts zur Sache. Das Ziel ist klar umrissen: Vom SC Altenrheine 4 will man sich die Tabellenführung zurückholen. Taktisch ordnet Harun Can seine Elf meistens in einer 4-2-3-1-Formation mit Orkun Dursun als einziger Spitze an. Er selbst bekleidet die „Zehner-Position“ hinter Dursun sehr erfolgreich: 17 Saisontore in zwölf Spielen sind eindrucksvolles Zeugnis seiner Abschlussstärke, die nur von Robin Dölling (23 Tore) übertroffen wird, der ausgerechnet für den Rivalen Altenrheine 4 die Schuhe schnürt. In zwei Tagen kommt es daher auch zum Kräftemessen der beiden besten C-Liga-Torjäger.

Bei aller Freude über die persönliche Quote verweist Harun Can jedoch vehement auf das Kollektiv, das Portu zu neuer Stärke verhilft. Eine Trainingsbeteiligung zwischen 18 und 25 Mann schüre den Konkurrenzkampf, den er gemeinsam mit seinem Mitstreiter Yunus Karadan geschickt moderiert. Can, 34 Jahre alt, und der mittlerweile 36-jährige Karadan sind die Routiniers in einem Sammelbecken von deutlich jüngeren Fußballern. Viele hätten in den wenigen Wochen der Zusammenarbeit große Fortschritte gemacht, sagt der Trainer und nennt die Beispiele Thomas Ramaker, Ricardo da Silva Oliviera oder Alexander Frank, der in der Vorsaison nur ganz geringe Einsatzzeiten hatte. Auch die Torhüter sind ein Garant für die neue Portu-Stärke: Daniel Ferreira Fernandes und Arthur Adler liefern sich einen sportliche fairen Konkurrenzkampf und akzeptieren die Rotation. Gegen Altenrheine 4 soll Fernandes dazu beitragen, dass zu den bislang zwölf Gegentreffern keine weiteren hinzukommen.

[mv-online.de, Dirk Möllers]

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